Willkommen auf Arbeit als Maler in Gera

Der Geraer Maler Heiko Frenzel stellt den syrischen Maler Ahmad Khalaf bei sich ein

Gera. Mit Handschlag und per Unterschrift wurde am 5. September 2017 der Arbeitsvertrag zwischen dem Geraer Maler Heiko Frenzel und seinem syrischen Kollegen Ahmad Khalaf besiegelt.
Vor knapp zwei Jahren, im Oktober 2015, war Ahmad Khalaf mit Frau und zwei Kindern und wenig Handgepäck in Gera angekommen. Der Krieg in Syrien, die Perspektivlosigkeit im Libanon, wo die Familie zunächst Zuflucht gesucht hatte, ließen ihn wie Tausende andere fliehen. „Schon zwei Tage nach unserer Ankunft in Gera gingen die Kinder zur Schule und meine Frau und ich in einen Deutsch-Kurs.“

„Ich bin Malermeister, habe 20 Jahre in dem Beruf gearbeitet.“ Stolz sagt es der syrische Kurde jedes Mal, wenn er nach seiner Ausbildung gefragt wird. Doch in Deutschland muss man mit einem ordentlichen Zeugnis nachweisen können, dass man wirklich mit Pinsel und Spachtel umgehen, streichen, lackieren, tapezieren kann. Solch ein wertvolles Papier kann der 39-Jährige nicht vorweisen. Seine Berufsschule war die Praxis. Inzwischen hat Ahmad zwei Deutschkurse hinter sich, die Fahrschultheorie erfolgreich absolviert. Er ist unermüdlich am Lernen, spricht regelmäßig beim Jobcenter vor. Beim Bildungsträger SBH liefert er Stichproben seines theoretischen und fachlichen Könnens ab. Er besucht berufsorientierende Veranstaltungen von Jobcenter und Handwerkskammer. Er will nur eins: Wieder malen. Wieder arbeiten. Selbst Geld verdienen.
Über eine Familienpatin des Geraer Freundeskreises für Flüchtlinge wird der Kontakt zum Geraer Malereifachbetrieb Heiko Frenzel hergestellt. Könnte Ahmad vielleicht in einem Praktikum beweisen, dass er vom Fach ist und sicher nicht schlechter als hiesige Vertreter des Malerhandwerks? Maler Frenzel hat Vertrauen. Am 7. August nimmt er Ahmad Khalaf für vier Wochen bis zum 1. September als Praktikanten unter seine Fittiche. Eine von Wasserschäden arg mitgenommene Villa in der Berliner Straße braucht dringend Renovierung und Heiko Frenzel Unterstützung. Ahmads Flüchtlingspaten kaufen für ihn in einem Berufsbekleidungsgeschäft als Startkapital in den Beruf eine Malerhose. Ob sie ihm Glück bringt? Ob er sie nun künftig öfter tragen kann? Bereits nach drei Wochen teilt Heiko Frenzel Jobcenter und Handwerkskammer mit: „Ich möchte Ahmad Khalaf ab 11. September 2017 unbefristet bei mir einstellen. Bis Anfang nächsten Jahres als Helfer, dann als vollwertigen Maler“.

Als Gründe für seine Entscheidung sagt er: „Her Khalaf ist sehr arbeitswillig und einsatzfreudig, er sieht die Arbeit, packt zu, kommt pünktlich, schreibt sich unbekannte Wörter unserer Arbeit wie Sockel oder abkleben in sein kleines Wörterbuch auf. Wir sind in den wenigen Tagen gute Kollegen geworden. Ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit.“
Bei der Vertragsunterzeichnung ist Undine Wachsmann, Flüchtlingskoordinatorin der Handwerkskammer für Ostthüringen dabei. „Wir betreuen hier in Gera und Umgebung etwa 120 Geflüchtete. 15 von ihnen sind zurzeit in Handwerksbetrieben in Ausbildung oder Arbeit als Maler, Kfz-Mechatroniker, als Friseure oder Elektriker.“ Das Problem sei, den hier Angekommenen, die in ihren Heimatländern schon frühzeitig gearbeitet haben, zu erklären, dass in Deutschland der Bildungsweg grundsätzlich lange dauert. Dazu komme noch die Sprache als Grundvoraussetzung jeder weiteren Qualifizierung. Und die Einsicht, dass zur Selbstständigkeit ein Meisterabschluss oder Existenzgründerseminare nötig sind. „Diese berufliche Integration ist wahrlich eine Herausforderung und eine Geduldsprobe für beide Seiten. Manche tragen sich mit dem Gedanken, wieder in die Heimat zurück zu kehren, sie aufzubauen nach dem Krieg. Junge Menschen, die zu Hause Schule und Ausbildung abbrechen mussten, können bei uns die Chance nutzen, zu lernen.“
Ahmad Khalaf hat den Muskelkater nach den ersten Arbeitstagen mit Farbeimer schleppen, Leiter hochklettern und über Kopf arbeiten längst verkraftet. Am Wochenende hängt die Malerhose auf der Leine, trocknet für die neue Arbeitswoche.

Seit dem 11. September 2017 ist er als anerkannter Kollege, nicht mehr als Praktikant im Einsatz: „Ich freue mich, endlich wieder Maler zu sein und will mich hier weiter qualifizieren.“ Maler Heiko Frenzel meint zu seinem neuen Partner aus Syrien: „Vorurteile helfen keinem. Man sollte es ausprobieren, gemeinsam zu arbeiten. Dann kann man urteilen. Wir lernen voneinander und verstehen uns.“

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