barakiAfghanistan-Experte Dr. Matin Baraki spricht am 27. April in der Geraer Bibliothek über Migration

Referent: Dr. Matin Baraki, Philipps-Universität Marburg 

Der promovierte Politikwissenschaftler und Sachverständige für Afghanistan, Matin Baraki von der Philipps-Universität Marburg wird am 27. April um 17 Uhr in der Geraer Stadt- und Regionalbibliothek über „Migration aus Sicht eines afghanischen Bürgers“ sprechen. Er kommt auf Einladung des Freundeskreises für Flüchtlinge nach Gera, der so seine Weiterbildung und Information zu Integration und Migration für die eigenen Mitglieder sowie alle interessierten Geraer Bürgerinnen und Bürger fortsetzt.

Matin Baraki lebt seit Anfang der 70er Jahre in Deutschland. Über sich sagt er: „Ich habe in Afghanistan eine Familie, die so groß ist wie ein Dorf für sich und etwa 15 Kilometer von Kabul lebt. Trotz drohender politischer Verfolgung fahre ich jährlich in meine Heimat, um aus eigenen Mitteln junge Kriegswitwen finanziell zu unterstützen und so vor der Prostitution zu bewahren und ich fördere den Schulbesuch von Mädchen und Jungen meiner Familie.“

Matin Baraki ist eins von neun Geschwistern. Neben der Arbeit als Feinmechaniker in Afghanistan legte er auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur ab, studierte an der Pädagogischen Hochschule in Kabul und kam im Hochschulaustausch mit der Bundesrepublik Deutschland als wissenschaftlicher Assistent an die Universität Bonn. Ab Sommer Semester studierte er an der Philipps-Universität Marburg, wo er sein Studium mit einer Promotion über die Beziehungen zwischen Afghanistan und der BRD abschloss. Durch den Bürgerkrieg in Afghanistan war dort eine weitere wissenschaftliche Laufbahn nicht möglich. Er lehrte an der Universität Marburg, Gießen, Kassel, Münster und der FH-Fulda als Politikwissenschaftler und arbeitet seither als Afghanistansachverständiger und entwicklungspolitischer Gutachter in vielen Gremien. Befragt nach der Situation in Afghanistan sagt er: „Der 40 Jahre währende Krieg in Afghanistan, ob verdeckt oder offen, muss dringend beendet werden. Er hat das gesamte gesellschaftliche Gefüge Afghanistans zerstört und so aus dem Gleichgewicht gebracht, dass es eine funktionsfähige Gesellschaft am Hindukusch auf absehbare Zeit nicht geben wird. Wir müssen es nun endlich mit dem Frieden versuchen.“

48 Prozent aller Afghanen sind Analphabeten. Darunter auch viele der 58 0000 in Deutschland lebenden afghanischen Flüchtlinge. Sie einfach wieder nach Afghanistan abzuschieben, sei für sein Heimatland nicht hilfreich und löse kein einziges Problem, meint der Wissenschaftler. „Afghanistan fehlt es an Fachkräften und Handwerkern, um das Land wieder aufzubauen. Diese brauchen wir dringender als Milizen, Polizei, Militär und Warlords. Zum Wiederaufbau des zerstörten Landes wären ein Viertel der NATO-Kriegskosten nötig. Diese Mittel sollten auf einem unter unabhängiger Kontrolle stehenden Treuhandkonto geparkt und nur projektgebunden verwendet werden können. Für diese Aufbauprojekte in Afghanistan sollte man die in Deutschland angekommenen jungen Flüchtlinge ausbilden und einsetzen, Das wäre meiner Meinung nach ein sinnvoller Friedensbeitrag und eine humanistische Entscheidung angesichts des schreienden Elends in meiner Heimat.“

Alle Geraerinnen und Geraer sind zu diesem aktuellen Vortrag zu Migration herzlich eingeladen.

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